UNIVERSITÄTSKLINIK FÜR GASTROENTEROLOGIE, HEPATOLOGIE UND INFEKTIOLOGIE

11. Februar: Internationaler Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft

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Der 11. Februar erinnert jedes Jahr daran, wie viel noch zu tun ist – und wie wichtig es ist, Mädchen und Frauen in der Wissenschaft nicht nur zu ermutigen, sondern strukturell zu unterstützen. Frau PD Dr. Ulrike von Armin (links) und Jun.-Prof. Carola Dröge (rechts) beantworten 3 Fragen zum Thema:

 

Was hat Sie dazu inspiriert, Medizin zu studieren bzw. in der medizinischen Forschung zu arbeiten?

PD Dr. Ulrike von Arnim:

Ganz ehrlich? Ich konnte nie eine Sache wirklich perfekt – aber dafür alles ein bisschen.
Und genau da kam die Medizin ins Spiel: ein Paradies für Allrounder mit Neugier, Durchhaltevermögen und einer gewissen Leidensfähigkeit ☺️. Der eigentliche „Drive“ zur medizinischen Forschung wurde dann von einem Patienten ausgelöst, der als klassischer Refluxpatient galt – in Wahrheit aber an der damals noch exotischen eosinophilen Ösophagitis (EoE) litt. Dieses „Moment mal, da stimmt doch was nicht!“ hat mich nicht mehr losgelassen. Also habe ich mich einer Erkrankung gewidmet, die damals kaum jemand kannte – und versucht, ihre Awareness in der medizinischen Welt zu erhöhen. Das war vor rund 20 Jahren als Frau nicht immer ganz einfach: Es wurde gelächelt, gezweifelt und gelegentlich milde belächelt. Ich habe trotzdem daran geglaubt – und heute bin ich Präsidentin der europäischen Gesellschaft für eosinophile gastrointestinale Erkrankungen (EUREOS) und eine international anerkannte Expertin für EoE. Moral der Geschichte: Man muss nicht alles perfekt können – manchmal reicht es, hartnäckig zu bleiben und sich von einer Speiseröhre inspirieren zu lassen

Prof. Carola Dröge:

Ein prägender Impuls war mein damaliger Biologielehrer. Er konnte mich gegen Ende der Schulzeit richtig für das Fach Biologie begeistern und mein Interesse für die Lebenswissenschaften wecken, so dass ich mich für das Biologiestudium entschieden habe. Im Studium war schnell klar, dass mich medizinische Fragestellungen mehr reizen als zum Beispiel die Botanik. Seit Beginn der Promotion schlägt mein Herz für die seltenen Lebererkrankungen. Die Freude von Betroffenen, dass sich jemand mit ihrem lebensbestimmenden Thema beschäftigt, ist enorm motivierend!

 

Welche besonderen Herausforderungen erleben Frauen in der Medizin heute noch?

PD Dr. Ulrike von Arnim:

Also, erst einmal: In den letzten 25 Jahren hat sich in der Medizin viel getan – und dies zum Positiven: Arbeitszeitgesetze, flexiblere Arbeitszeiten, Elternzeit (auch für Männer), Gleichstellungsbeauftragte, familienfreundlichere Kliniken, Kitaplätze und Schulen mit Hortbetreuung. Aber, und das ist immer noch ein „Aber“: Frauen in der Medizin stehen immer noch vor besonderen Herausforderungen. Die klassische Frage „Kann eine Frau das überhaupt erfolgreich?“ wird Männern in Führungspositionen nicht gestellt – ja, das passiert wirklich noch. Und der Umgangston? Immer noch oft recht männlich geprägt. Zeit, dass wir da ein bisschen aufräumen.

Dann gibt es noch weitere Punkte, die besonders ins Gewicht fallen:

  • Karriereunterbrechungen durch Familie treffen Frauen härter – selbst wenn der Papa auch mal Elternzeit (idR 3 Monate) nimmt.
  • Fehlende sichtbare weibliche Vorbilder in Führungspositionen – ohne Role Models ist der Weg steiler. 

Und nun mal ehrlich: Frauen sind mittlerweile ~ 70% der Medizinstudierenden. Also, wer soll sonst die Medizin am Laufen halten, wenn wir sie nicht auf allen Ebenen einbeziehen? 

Prof. Carola Dröge:

Ich habe das Gefühl, dass man als Frau immer noch mal kritischer beäugt wird und man sich noch mal mehr beweisen muss. Schafft sie das? Hat sie davon wirklich Ahnung? Hält sie das aus? Oder auch: Wie sieht sie denn aus? Was hat sie an? Männer werden eher selten für einen schlechtsitzenden Anzug oder eine fragwürdige Frisur kritisiert… Dabei ist man als Frau meist schon selbst die härteste Kritikerin. Die meisten Männer hinterfragen sich selbst oder ihr Handeln viel weniger. Das sollte sich noch ändern.

 
Ihr wichtigster Tipp für Mädchen und Frauen, die Ärztin oder Forscherin werden wollen?

PD Dr. Ulrike von Arnim:

Glaube an dich, sei hartnäckig und lass dich nicht entmutigen. Sichtbare Vorbilder helfen, aber manchmal muss man selbst eins sein. Und ganz besonders: Humor und ein Augenzwinkern hilft, wenn man gegen alte Strukturen anläuft.

Prof. Carola Dröge:

Lasst Euch nicht unterkriegen oder verunsichern! Traut Euch mehr zu, als die eigene innere Kritikerin sagt!

Letzte Änderung: 13.03.2026 - Ansprechpartner:

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